Neuer Ort, neues Seegras

Warum nur ein Riff mit Seegras versorgen, wenn auch zwei oder drei machbar sind? Genau! Das Projekt “Aufforstung von Seegraswiesen” ist auch am Riff Nienhagen aktiv. Im Vergleich zum bestehenden Projektstandort Riff Rosenort sind dort die Strömungen und der Seegang geringer.

Das künstliche Riff des Ostseebades Nienhagen ist ein ungeschützter Außenstrandbereich und bietet gute Möglichkeiten, die Forschungsaktivitäten zu erweitern. Das passt wunderbar zusammen mit einem neuen Ansatz in der Methodik, die lebenden Treibsel von Seegras direkt in die Aufwuchsträger zu integrieren – und zwar während der Träger maschinell produziert wird! Das verspricht geringere Herstellungskosten für die Aufwuchsmatten mit einem sehr viel geringeren Zeitaufwand für den Herstellungsprozess.

Neu bei den Seegrasmatten ist auch die Zusammensetzung des Materials selbst. In der Webmaschine kommt eine Hanfheu-Seegras-Mischung zum Einsatz, die aus den bisherigen Erkenntnissen des Projekts entstanden ist. Die nächsten Wochen unter Wasser werden zeigen, wie sehr sich das Seegras über diesen Untergrund freut und die Chance ergreift, tief in der Ostsee Wurzeln zu schlagen.

Erkenntnisse aus dem Monitoring

Es war wieder Zeit fürs regelmäßige Monitoring des Seegrasprojekts. Folgende Erkenntnisse haben die Taucher:innen und das Projektteam um Prof. Dr. Mathias Paschen an die Oberfläche bringen können:

  • Die kunststoff-freien Aufwuchsträger funktionieren. Das neue Verfahren mit eingesandeten Steppmatten ist noch erfolgreicher als die Mäanderformen.
  • Positiv ist es, die Aufwuchsträger auf der vom Wind abgewandte Seite (leeseitig) zu positionieren. Ansonsten sind die Verluste durch Seegang und Strömung zu groß.
  • Das Prinzip, die Aufwuchsträger in flache Mulden zu legen und geringfügig zu versanden sowie zu beschweren, hat sich bewährt.
  • Entgegen früheren Beobachtungen kann altes Seegras durchaus als Träger fungieren, wenn es dichter gesteppt in Matten verarbeitet ist.
  • Am wichtigsten ist es, dass die Aufwuchsträger ständig direkten Kontakt mit dem Meeresboden haben. Nur dann können Rhizome und Wurzeln durch das Trägermaterial hindurch in das Sediment eindringen und mit dem Meeresboden festwachsen.

Maschineller Ansatz Methodik

Auf dem Bild ist das neue Prinzip beim Einbringen des Seegrases in die Aufwuchsträger zu sehen. Bei einer manuellen Bestückung des Trägermaterials nimmt es meistens nur die Rhizome und die Wurzeln auf – und die Blätter befinden sich außerhalb der Träger. Bei einer maschinellen Bestückung wird die Pflanze durch das Decknetz quasi Bestandteil des gesamten Aufwuchsträgers.

Bestandsaufnahme Robuste Jungpflanzen

Die im Projekt eingebrachten jungen Seegraspflanzen wachsen weiter und machen im Monitoring einen robusten Eindruck. Die zu sehenden Grünalgen sind jahreszeitlich bedingt.

Projektinfo

Das Förderprojekt möchte die Methode des Rollrasens unter die Meeresoberfläche bringen. Seit November 2021 hat sich ein Team um den Rostocker Professor Mathias Paschen dieser Frage gewidmet und hofft, mit diesem Prinzip ein adäquates Mittel zum Klimaschutz beizutragen. Denn Seegraspflanzen bringen einen Großteil des aus CO2 umgewandelten Kohlenstoffes in Form ihrer Wurzeln direkt tief ins Sediment ein, sodass dieses dort lange gespeichert bleibt. Die Effektivität dieser Kohlenstoffspeicherung ist um ein Vielfaches höher als die der Wälder an Land.

Die Stiftung Klima- und Umweltschutz MV hat ihre Förderung bis zum Oktober 2023 verlängert und unterstützt das Projekt mit insgesamt 185.000 Euro.