Pressemitteilung – Die neue EU-Agrarreform – Kritik an fehlenden Anreizen für Landwirte und Klimaschutz

Beim 3. Klimatag der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV „Klimaschutz und Landwirtschaft – was getan werden muss“ ist der neue EU-Agrarkompromiss als nicht ausreichend kritisiert worden.

Honoriert werden soll eigentlich eine nachhaltige Landwirtschaft etwa durch den Einsatz von weniger chemischem Dünger, mehr Artenschutz, vielfältigen Fruchtfolgen, mehr Brachflächen und mehr Tierwohl.
Der vom Brüsseler Europaparlamentarier Dr. Peter Jahr in Ulrichshusen vorgestellte Entwurf genüge jedoch bei weitem nicht, um die Landwirtschaft auf den Weg zu mehr Klimafreundlichkeit zu bringen, war sich das Podium einig.

Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck kritisierte, dass mit den Umweltauflagen kein Geld verdient werden könne: „Wir brauchen das Prinzip Schützen durch Nutzen.“
Für mehr Tierwohl fordert er ein vereinfachtes Baurecht, um Ställe entsprechend um- oder neu zu bauen, und ein bundeseinheitliches Tierwohllabel, noch besser ein europäisches.
Auch müssten regionale Wertschöpfungsketten und standortnahe Verarbeitungskapazitäten ausgebaut werden, damit Produkte aus MV mit dem Siegel „regional“ vermarktet und emissionslastige Transportwege vermieden werden könnten. So warte man seit Jahren auf eine Markthalle für die Direktvermarktung in Rostock.

Arne Bilau vom Ökoring im Norden e.V. fordert eine höhere Umstellungsprämie beim Umbau eines Betriebes von konventionellem auf Öko-Landbau. Betriebe sollten darüber hinaus mit Natur-und gezieltem Artenschutz Geld verdienen können.

Moorkonzepte für den Klimaschutz fehlen im EU-Kompromiss

Die Prodekanin der Uni Rostock der Fakultät Agrar- und Umweltwissenschaften, Prof. Nicole Wrage-Mönnig, kritisierte, dass vor allem die Chance vergeben sei, eine veränderte Moornutzung in die neuen Regelungen aufzunehmen, etwa für Maßnahmen zur Rücknahme der Entwässerung.

Dabei gehe es nicht darum, Moore zu fluten, sondern den Wasserstand im Boden anzuheben, so dass eine Bewirtschaftung möglich bleibe. Selbst auf vernässten Flächen sei durch Paludikultur eine Bewirtschaftung möglich. Sie verwies auf den Greifswalder Moorwissenschaftler Prof. Joosten, der gerade mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Er habe verschiedene Verfahren für den Anbau auf vernässten Flächen erforscht und entwickelt.

13 Prozent der Landesfläche MV sind Moore. 27 Prozent der Treibhausgas-Emissionen von ganz MV würden von den Mooren verursacht. Fatal, dass diese Klimaschäden durch EU-Leistungen sogar noch gefördert würden. Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck gab zu Bedenken, dass Moore in MV vielfach in Privatbesitz seien; es brauche Nutzungskonzepte und Anreize, um Landwirte für die Wiedervernässung der Moore zu gewinnen.

Ein konkretes Beispiel für die Probleme aus den Förderrichtlinien für heimische Bauern nannte Landwirt Steven Hirschberg von der Papendorfer Agrargenossenschaft e.G. So werde Grünland, das nicht als Ackerfläche genutzt werde, automatisch nach 5 Jahren Dauergrünland, was für die Landbesitzer einen enormen Werteverlust bedeute. Das führe dazu, dass viele Landwirte Grünstreifen und Freiwiesen nur aus diesem Grund vor der Fünf-Jahres-Frist umbrächen und wiedereinsäten. Prof. Wrage-Mönnig verwies darauf, dass länger existierendes Grünland Kohlenstoff im Boden speichere und eine hohe Biodiversität aufweise. Durch das Umbrechen gingen diese positiven Auswirkungen verloren.

Sie sagte, man müsse dahin kommen, Dauergrünlandpflege mit Schafen beispielsweise wieder zu honorieren. Kurreck gab ihr Recht: Grünland müsse wieder Kulturland werden. So forderte auch er, bei der Veranstaltung, die Weidetierprämie wieder einzuführen.

In der öffentlichen Diskussion gab es viele Anregungen und Beiträge von Landwirten im Haupt- und Nebenerwerb. Cornelia Freifrau von Maltzahn, die Gut Pinnow bewirtschaftet, berichtete von Veränderungen in ihrem Betrieb: sie habe inzwischen Erfahrung im Bereich der Agrovoltaik, der Waldwertschöpfung durch CO2-Zertifikate und einer humusorientieren Landwirtschaft mit erhöhten Fruchtfolgen durch Zwischenfruchtanbau. So werde versucht, klima- und bodenschonende Landwirtschaft zu betreiben.

Jetzt sind Bund und Land Mecklenburg-Vorpommern gefragt, um den Agrarkompromiss der Europäischen Union zu konkretisieren und richtungsweisende Landesregelungen für die Landwirtschaft zu gestalten.

Hintergrund

Im März haben die Agrarminister auf Eckpunkte zur Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland ab dem Jahr 2023 festgelegt. Die Ausgaben für Öko-Leistungen sollen deutlich aufgestockt werden, dadurch werden die Direktzahlungen (für die Agrarfläche, von der vor allem große Betriebe profitieren) eingeschmolzen. Für MV rechnet der Agrarminister Backhaus mit einer Basisprämie ab 2023 von ca. 140 Euro/pro ha statt aktuell 270 Euro/ha. Deutschland will bis zum Januar seinen Strategieplan mit Vorschlägen für die Öko-Leistungen vorlegen. Bisher gab es Vorgaben von der EU.

Anke Rösler
Leiterin Kommunikation und Presse

Pressefotos können auf Anfrage bereitgestellt werden.

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