Nach den Erkenntissen aus dem stürmischen Sommer stand ein erneuter Tauchgang in der Ostsee am Riff Rosenort an. Das Projekt mit der Aufforstung von Seegraswiesen hat zum Ziel, die Methode des Rollrasen unter Wasser für den späteren Aufwuchs von Seegras zu überprüfen. Und die direkte Sichtung am Meeresboden lässt aufhorchen: Das Monitoring hat bestätigt, dass das Konzept zur Aufforstung von Seegraswiesen mittels textiler, kunststofffreier Aufwuchsträger zielführend und vom Ansatz her richtig ist.

Folgende Erkenntnisse hat der Tauchgang an die Oberfläche gebracht:

  1. Es waren sowohl gut entwickelte als auch offensichtlich weniger gesunde Seegraspflanzen zu entdecken. Die gefundenen Schnecken fressen dabei meist nur abgestorbene Pflanzenteile oder die auf Seegras wachsenden Algen.
  2. Es hilft, die Aufwuchsträger in eine zuvor geschaffene flache Mulde zu legen und anschließend geringfügig zu versanden sowie mit Steinen zu beschweren.
  3. Eine ausreichend lange Inkubation der Seegraspflanzen unter geschützten Bedingungen wird als dringend notwendig erachtet. Eine stärkere Bewurzelung der Pflanzen im Aufwuchsträger verringert die Verlustrate durch Seegang und Strömung.
  4. Altes Seegras eignet sich als Basismaterial für die Herstellung von Aufwuchsträgern bisherigen Konstruktionstyps nur bedingt. Auch der verwendete Vliesstoff bei einigen Aufwuchsträgern zeigt bereits nach kurzer Einsatzdauer deutliche Zerfallserscheinungen. Und die Fäden aus Viskose zur Herstellung des Maschenmantels sind wohl nicht geeignet.
  5. Dafür haben die gitterförmigen Aufwuchsträger aus Hanf und Flachs den Bedingungen standgehalten. Sie halten das Seegras fest in der Ostsee.

Gesunde Pflanze

Der Tauchgang zeigte, dass sich die Pflanzen in Aufwuchsträgern aus Hanf und Flachs am besten entwickelten und ein robustes Wachstum aufweisen.

Vlies-Verlust

Bei den aus Vlies hergestellten Aufwuchsträgern führte die stellenweise Auflösung des Stoffes letztlich zum Pflanzenverlust. Als Erkenntnis bleibt, diese Konstruktion nicht weiter zu verwenden.

Gute und robuste Seegraspflanzen

Die Pflanzen, die sich gut entwickelt haben und robust erscheinen, haben einen entscheidenen Vorteil: die Wahl des Materials. Darüber freut sich Projektleiter, Prof. Dr. Mathias Paschen, sehr: “Die gitterformigen, aus Hanf und Flachs hergestellten Aufwuchsträger haben die an sie gestellten Aufgaben in vollem Umfang erfüllt.” Ein weiterer Faktor ist der unterstützenden Einbringung der Seegraspflanzen im Sediment selbst zu verdanken. Werden die Aufwuchsträger mit Sand bedeckt und in gewissen Abständen mit Steinen beschwert, halten sie Seegang und Strömung noch besser stand.

Diese Erkenntnisse lassen sich nur mit dem direkten Beobachten der Wiesen im Meer gewinnen. Deswegen gehört das regelmäßige Monitoring zu den wichtigen Meilensteinen bei der Aufforstung von Seegraswiesen. Einzig mit der empirischen Überprüfung am Meeresboden selbst kann das Projektteam die Wirksamkeit des Rollrasenprinzips nachhaltig überprüfen.

Seegraswiesen dienen als guter CO2-Speicher und stellen ein Mittel für den Klimaschutz dar. Die Stiftung Klima- und Umweltschutz MV unterstützt das Projekt noch bis Ende des Jahres 2022 mit insgesamt 185.000 Euro.