Wer ein bisschen schottisches Flair in Mecklenburg erleben möchte, ist am Cambser See unweit der Landeshauptstadt nicht verkehrt. Eine kleine Rinderherde von Galloways sorgt sich dort um Landschaftspflege von Feuchtwiesen – unter der Aufsicht engagierter Leute vom neugegründeten Verein dieser schottischen Robustrasse. Bei LOSLEGEN mit Leuten machten sie mit und zeigten, welches Potenzial in den Tieren (und Menschen) steckt.
Am Anfang des Herbstes informierte der Verein „Galloway vom Cambser See“ über den Ansatz des Projekts: mit der Aufzucht einer kleinen Rinderherde mit maximal zehn Tieren im „holistischen Weidemanagement“ soll zum einen Tierwohl als auch die ökologische Vielfalt der Wildkräuter und Insekten auf den Weiden gefördert werden. Dabei werden die Tiere so zahm gehalten, dass sie am Halfter von einem Weidestück aufs nächste geführt werden können. Die Stücke der Weide, auf denen sich die Tiere nicht befinden, können sich erholen und auch Wildkräuter haben so die Chance sich weiter zu verbreiten. Die Rinder befinden sich ganzjährig auf der Weide, kalben dort und die Kälber bleiben zwei Jahre bei ihren Müttern auf der Weide. Können überzählige Tiere später nicht verkauft werden, wird verantwortungsvoll ein Weideschuss angewendet. Die Flächen werden nicht übernutzt und die Herde bleibt überschaubar.

Das Gute ist, die Tiere sind bereits an Menschen gewöhnt. An dem sonnigen Herbsttag konnten die Kinder das bereits erleben und die Tiere streicheln sowie striegeln. Das eröffnet perspektivisch eine tiergestützte Pädagogik auf der Weide. Der Verein hat das Klimageld genutzt und Informationstafeln anfertigen lassen. Sie informieren über die Galloways, den Naturschutz und das Tierwohl.

Das Besondere an der Haltung der Galloway-Rindern ist ihr holistisches Weidemanagement. Die gut 4 Hektar großen Wiesen in Cambs sind für den Ackerbau nicht zu bewirtschaften, auch gerade wegen der feuchten Böden. Im Sinne der Landschaftspflege und der Rinderhaltung eignen sie sich indes gut. Aufgeteilt in mehrere Parzellen werden immer nur drei Parzellen gleichzeitig für die Herde freigegeben – der Rest der Wiesen erholt sich. Bevor die Fläche zu weit abgegrast ist, geht es auf neuen Parzellen weiter.
Der Wechsel der Standorte auf der Wiese, die sanfte Behandlung des Bodens und seine Düngung mit Rinderdung, das ganzjährige, artgerechte Verweilen der Tiere auf der Fläche und das Engagements des Vereins stehen für eine Transparenz, die diese besondere Form der Landschaftspflege verständlich machen. Mitbeobachten werden das die Schulen in Cambs und in Schwerin mit dem Regionalen Beruflichen Bildungszentrum Wirtschaft und Verwaltung. Dort werden die Schüler:innen im Fach Biologie den Bestand der Wildkräuter auf der Wiese beobachten. Mit den neuen Info-Schildern von „LOSLEGEN mit Leuten“ können dann auch alle, die eine Runde um den Cambser See unternehmen, diesen Ansatz nachvollziehen – und sehen, wie die Herde weiter wächst.
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