Wie wollen wir in Zukunft bauen? Welche Materialien wollen wir verwenden? In Wangelin weiß man das bereits: nicht weniger ist mehr, sondern mehr Lehm verspricht viele Vorteile gegenüber konventionellem Bauen. Diese Idee weiter zu verbreiten und Menschen dabei mitzunehmen, war die Grundlage bei der langen Nacht der Lehmöfen südwestlich von Plau am See. Als Teil des Stiftungsprogramms LOSLEGEN mit Leuten gab der renommierte Berliner Planer Dag Schaffarczyk von der Spreeplan Projekt UG wertvolle Einblicke in das Prinzip der finnischen Speicheröfen.
Nachhaltig Heizen mit Verbrennen – wie geht das? Als primäre Heizquelle einen Lehmofen zu verwenden, ergibt nicht überall Sinn. Die tonnenschweren Speicheröfen lassen sich am besten in Häuser integrieren, die ohnehin bereits mit Lehm gestaltet oder umgebaut wurden. Im Sinne des zirkulären Bauens hat der Werkstoff Lehm den Vorteil, fast vollständig wiederverwendbar zu sein. Einmal beheizt, speichern die Lehmziegel um die Brennkammer herum die Wärme und geben diese den ganzen Tag über ständig wieder ab. Über die Zugsysteme transportieren sie Wärme zusätzlich durchs ganze Haus. So sind kontinuierlich Temperaturen um die 23°C in den Räumen zu genießen.
Wichtig ist bei dieser Heizart, das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu beziehen, welches nicht in Konkurrenz zum Baustoff Holz als dauerhafter CO2-Speicher steht. Und dann sollten die Öfen einen geschlossenen Kreislauf darstellen, der das ganze Holz – über den Feststoff hinaus – und somit auch die Holzgase verwertet. Die Aufbereitung von Warmwasser erfolgt dagegen meist elektrisch über Durchlauferhitzer oder Solarthermie.

Der Wangeliner Garten – landesweit bekannt für seine Lehmexpertise – lud seine Gästen zu einem beeindruckenden Rundgang durch das Dorf. Am Wegesrand standen Leuchten, die den Weg wiesen, ansonsten war es stockfinster. Das schuf eine besondere Atmosphäre, um die offenen Häuser entlang der Dorfstraße zu erleben. Dort zeigten ihre Besitzer:innen engagiert ganz praktisch, wie es ist, mit einem Lehmofen zu leben und was es dabei zu beachten gilt.

Die finnischen Speicheröfen funktionieren nach zwei Prinzipien: es wird alles verbrannt, was das Holz enthält, und Masse macht’s. Konventionelle Öfen verbennen lediglich den Feststoff Holz und alle weiteren Schadstoffe entweichen über den Schornstein. In der Brennkammer werden zusätzlich die Holzgase bei über 1.000°C verbrannt und energetisch genutzt – und verbleiben im Kreislauf des Ofens. Je mehr Lehm der Ofen aufweist, desto mehr Wärme speichert er. Ein finnischer Speicherofen beginnt bei 2 Tonnen Gewicht und wiegt optimalerweise 4 bis 6 t.
(Foto: Dag Schaffarczyk)
Die lange Nacht der Lehmöfen in Wangelin wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr wiederkehren. Die Menschen haben jetzt schon viele inspirierende Eindrücke über den Baustoff Lehm mitnehmen können. Wie man nachhaltig mit einem Lehmofen heizen kann, wissen sie nun.